Der Shopfloor hatte seine Produktivitätsrevolution - jetzt folgt das Headquarter.
Die HENN Connector Group hat ihre AI-Transformation nach einem Abend im Juni 2026 gestartet und binnen weniger Monate in ein Rollout-Modell überführt, das vom einzelnen Arbeitsplatz bis zum Target Operating Model reicht. Der Auslöser war kein Strategieprojekt: Der CEO saß beim TOWA CXO-Hackathon und baute an diesem Abend selbst seinen ersten funktionierenden Use Case. Dieser Case beschreibt, wie aus diesem Abend ein Standard wurde, welche Rollen HENN dafür geschaffen hat und welche Technik TOWA beigesteuert hat. Er beschreibt einen laufenden Plan, keinen abgeschlossenen Rollout.
HENN produziert Steckverbinder und Kupplungssysteme für Automotive, Luft- und Raumfahrt, Trinkwasser und Automatisierung, mit Hauptsitz in Dornbirn und Standorten in Deutschland, China, Indien und Mexiko (Quelle: henn-group.com). Das ist ein Umfeld, in dem Prozessoptimierung zum Handwerk gehört. Lean, Six Sigma, Kaizen und Automatisierung haben die offensichtlichen Hebel in Produktion, Logistik und Beschaffung längst gehoben.
Genau deshalb läuft die Suche nach dem einen großen AI-Use-Case in Industrieunternehmen regelmäßig ins Leere. Der große, teure Kernprozess ist abgeerntet. Der Aufwand hat sich in die Verwaltung verlagert, in tausend kleine Tätigkeiten, die einzeln zu klein für ein Projekt und in Summe zu groß zum Ignorieren sind.
Bei HENN haben diese Tätigkeiten Namen bekommen:
Daten werden von Hand aus einem System in ein anderes übertragen.
Listen werden Zeile für Zeile gegeneinander abgeglichen.
Reports werden aus Bausteinen zusammengesetzt, die anderswo bereits existieren.
Informationen werden gesucht, die jemand längst aufgeschrieben hat.
Freigaben werden telefonisch nachgehalten, weil der Queue niemand vertraut.
Bewegt ein Mitarbeiter Teile von Hand durch die Halle, fragt jeder im Raum, warum das nicht automatisiert ist. Bewegt jemand Daten von Hand zwischen zwei Systemen, fragt niemand. Gleiche Verschwendung, unterschiedliche Sichtbarkeit.

Der Einstieg: ein Abend, 15 CXOs, ein eigener Use Case
Der TOWA CXO-Hackathon ist bewusst klein gehalten: maximal 15 Geschäftsführer und Vorstände, zwei TOWA-AI-Architekten, ein Vorab-Termin zur Einrichtung der Arbeitsumgebung, damit am Abend keine Zeit auf Setup-Fragen verloren geht. Dreißig Minuten Einordnung von Claude Skills bis zu agentischen Workflows, danach Hands-on bis in den späten Abend.
Das Format erzeugt eine Erfahrung, die kein Impulsvortrag ersetzt: Der CEO baut selbst. Er delegiert AI nicht an die IT, sondern erlebt am eigenen Material, wo die Grenze zwischen Werkzeug und Arbeitsprozess verläuft. Aus Runde 1 sind bei den Teilnehmern unter anderem ein automatisierter Normvergleich und ein eigenes Angebotstool entstanden.
Der Effekt bei HENN: Die Entscheidung für einen unternehmensweiten Weg fiel auf Basis eigener Anschauung, innerhalb von Tagen statt Quartalen. Das ist der eigentliche Wert des Formats. Es verkürzt die Strecke zwischen Interesse und Commitment.

Schritt zwei: der Führungskreis baut in zwei Runden
Auf den CXO-Abend folgten zwei Hackathons mit der Top-Führungsmannschaft, je 10 Teilnehmer. Die Gruppengröße ist Teil des Designs: Bei 10 Personen baut jede Führungskraft selbst, statt zuzusehen. Zwei TOWA-AI-Architekten kommen damit auf fünf Teilnehmer pro Kopf und können an jedem Tisch in die Tiefe gehen.
Jede Führungskraft bringt Tätigkeiten aus dem eigenen Verantwortungsbereich mit und setzt sie im Termin um. Ergebnis der beiden Runden sind die ersten produktiven Use Cases und ein Führungskreis, der aus eigener Erfahrung beurteilt, was ein Agent leistet und wo er an Grenzen stößt.
Die Reihenfolge ist die zentrale Designentscheidung des Rollouts. Wer die Führungsebene zuerst befähigt, bekommt Multiplikatoren mit Budget- und Weisungsbefugnis. Wer mit einem Pilotprojekt in einer Fachabteilung startet, bekommt ein Pilotprojekt.

AI zu führen ist eine Führungsaufgabe
Der Grund, warum der Einstieg über den Führungskreis funktioniert, liegt in der Natur der Sache. Gute Ergebnisse mit einem Agenten entstehen durch Aufgabenzuschnitt, klares Briefing, Beurteilung des Ergebnisses und Verantwortung für das, was rausgeht. Das ist das Handwerk, das jede Führungskraft bei der Einarbeitung eines neuen Mitarbeiters anwendet.
Wer einen Agenten wie eine sehr schnelle, sehr belesene neue Kollegin behandelt, stellt automatisch die richtigen Fragen: Wofür ist das Ergebnis, in welchem Format, woran erkenne ich, dass es gut ist, und was soll die AI ausdrücklich nicht tun. Bei HENN hat der Führungskreis diese Fragen zuerst an eigenen Aufgaben beantwortet und gibt sie seitdem in die Fachabteilungen weiter.

Die Kaskade: von einem Schreibtisch zum Operating Model
Aus dem Führungskreis kaskadiert der Rollout in die Fachabteilungen. HENN arbeitet mit fünf Stufen, von denen drei beauftragt, terminiert und mit Ownern besetzt sind:
Arbeitsplatz (jetzt): eine Person, eine Tätigkeit, eine sichtbar eingesparte Stunde. Hier entsteht Vertrauen.
Abteilung (+1 Monat): dieselbe Tätigkeit, geteilt im Team, im Takt der Abteilung.
Abteilungsübergreifend (<100 Tage): Automationen, die die Beziehungsebene aus dem Unternehmens-Wiki brauchen. Schnittstellen und Verantwortung werden zwischen den Abteilungen geklärt.
Unternehmen: verbundene Struktur über Produkt, Charge, Lieferant, Maschine und Prüfung. Entscheidung nach Stufe 3.
Gruppe: eine Organisation, in der Wachstum den administrativen Personalaufbau nicht mehr mitzieht. Richtung, keine Zusage.
Der Einstieg liegt bewusst im Einfachen: Office zuerst, Dokumente, Laufwerke, Ordnerstrukturen, Reports. ERP und PLM bleiben zunächst außen vor. Für den Start genügen Lesezugriff auf die Office-Quellen und ein IT-Ansprechpartner.

Skill Owner: wer die Qualität verantwortet
Sobald Automationen ein Team verlassen, braucht jede einen Namen. HENN arbeitet deshalb mit Skill Ownern: benannte Mitarbeiter, die einen Skill fachlich verantworten, Qualitätskriterien definieren, Korrekturen einpflegen und entscheiden, wann ein Skill für weitere Abteilungen freigegeben wird. Getragen wird das von einem Kaizen-Team aus Domänenerfahrung, Prozessverständnis und AI-Kompetenz.
Diese Rolle ist der Unterschied zwischen Werkzeugnutzung und Betrieb. Unternehmen mit klar zugewiesener Verantwortung für AI-Ergebnisse berichten dreimal häufiger von etabliertem ROI als Unternehmen ohne

Die Architektur: Claude Cowork, MCP Connector, Salesforce Reporting Skill
Technisch setzt HENN auf Claude Cowork als agentische Arbeitsumgebung. Mitarbeiter arbeiten mit Agenten auf ihren eigenen Dateien, Ordnern und Systemen, nicht in einem abgeschotteten Chatfenster.
TOWA hat die Anbindung geliefert: MCP Connector zu den führenden Systemen, dazu einen Salesforce Reporting Skill, der Auswertungen über Accounts, Opportunities und Aktivitäten direkt aus dem CRM zieht und als formatierten Report ausgibt. Damit entfällt die Kette aus Export, Aufbereitung und Formatierung, die in vielen Häusern einen Arbeitstag pro Monat und Führungskraft bindet.
Sozusagen als Vorstufe zum inzwischen angekündigten Produkt: Claudeforce. .

Human in the Loop: Der Mensch bleibt am Steuer
Jedes Ergebnis wird am Rand von einem Menschen geprüft. Der Ablauf ist bei HENN festgelegt: Ein Mensch definiert Input, Output und Qualitätskriterien. Ein Agent plant den Prozess. Weitere Agenten führen aus. Ein QM-Agent prüft gegen die definierten Kriterien. Ein Mensch beurteilt das Ergebnis. Korrekturen werden zu dauerhaften Anweisungen.
Bevor ein Skill produktiv geht, läuft er auf Vorgängen, deren richtiges Ergebnis bereits bekannt ist. Der Skill Owner vergleicht, korrigiert das Briefing und lässt erneut laufen. Erst danach berührt der Skill einen laufenden Vorgang.
Dazu kommt eine Anforderung an jeden Agenten: Er zeigt seinen Rechenweg. Ein Ergebnis, das Zwischenschritte offenlegt, lässt sich stichprobenartig prüfen. Ein Ergebnis ohne Rechenweg verlangt Vertrauen, das in einem Qualitätsumfeld niemand geben kann.
Das ist dieselbe Disziplin, die in der Fertigung seit Jahrzehnten gilt, übertragen auf den Schreibtisch. Die Automatisierung übernimmt die Tätigkeit. Das Urteil bleibt beim Menschen.

Gemba, Kaizen, Muda: die agentische Übersetzung
Der Grund, warum das Vorgehen bei HENN trägt, liegt in der Sprache. Aus dem Gemba Walk wird der Office Gemba: Kalender, Postfach und Ticket-Queue abgehen statt der Halle. Aus Kaizen wird das Kaizen-Team aus Domänenerfahrung, Prozessverständnis und AI-Kompetenz. Aus Muda wird die Verschwendung in der Wissensarbeit.
Ein Unterschied bleibt und macht den Hebel aus: Jeder Schritt delegiert einen ganzen Vorgang, statt fünf Prozent davon einzusparen. Dazu kommt ein struktureller Vorteil dieser Industrie. AI arbeitet am besten auf strukturierten Daten, Informationen und Prozessen. Normen und Standards sind das Fundament dieses Geschäfts.
Die Frage nach dem Personal kommt in jedem Führungskreis, meist innerhalb der ersten halben Stunde. HENN beantwortet sie in drei Schritten: Verschwendung eliminieren, die Besten ausstatten, reinvestieren. Die Verschwendung fällt weg. Wer heute Ergebnisse liefert, bekommt Agenten. Diese Mitarbeiter verantworten anschließend ganze Wertschöpfungsprozesse end-to-end, gemeinsam mit ihren Agenten: Kunden, Varianten, Szenarien, Lernschleifen.
Das ist eine Kapazitätsrechnung. Sie zielt auf Wachstum ohne linearen Personalaufbau in der Verwaltung.

Der Business Impact & das Zielbild
HENN steuert den Rollout über eine Zahl: Jede dritte bis vierte transaktionale Tätigkeit soll entfallen. Diese Zahl ist das Zielbild des laufenden Programms, kein gemessenes Ergebnis. Sie erzwingt Prioritäten und trennt Tätigkeiten, die Information transportieren, von jenen, in denen Urteilskraft steckt.
Gleichzeitig werden erste konkrete Effekte sichtbar. Im Vertrieb sieht HENN bereits Einsparungen und konnte den Vertriebsdruck durch agentische Workflows deutlich erhöhen: Im Account-based-Ansatz werden rund dreimal so viele Outreach- und Sales-Kampagnen umgesetzt.
Auch im Marketing steigt der Output: Landingpages, Kampagneninhalte und weitere Assets lassen sich schneller erstellen. Der Effekt ist damit nicht nur Effizienz, sondern mehr kommerzieller Output mit derselben Organisation.
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