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Warum China uns digital voraus ist

Erkenntnisse von unserer Wirtschaftsreise nach Südchina

Hong Kong
TOWA Mitarbeiter Manuel Kuhn

Written By
Manuel Kuhn


| 8 Minuten

Als Teil der österreichischen Wirtschaftsdelegation der WKO reisten Julian und ich Ende Oktober nach Südchina. Eine Woche lang besuchten wir Unternehmen und Inkubatoren im digitalen Hotspot der Welt (Silicon Valley ist so 2016). Mit dem Ziel, dem Geheimnis Chinas digitaler Führungsposition auf die Spur zu kommen und Learnings für unseren Markt zu gewinnen, stand uns eine interessante Woche bevor.

Der Startpunkt war Hong Kong mit einem zweitägigen Abstecher nach Shenzen – die Hochburg für elektronische Komponenten und die Zukunftsregion des Landes. Und wenn wir schon einmal den weiten Weg in den Osten auf uns genommen haben, nutzten die Chance zu einem zweitägigen Abstecher nach Shanghai und statteten Brandigo einen Besuch ab, einen Agenturpartner aus dem E3-Netzwerk.

Die Frage, die uns, neben dem Reisebus, vor allem bewegte:
Was können wir von China lernen, um unseren Kunden eine bessere Strategie, Infrastruktur und User Experience anzubieten, die in der Lage sind, die Business Probleme noch besser zu lösen?

Um beim Großen zu beginnen: Wir dürfen uns in Europa nicht darüber wundern, dass uns Asien und vor allem China in den letzten Jahren wirtschaftlich überholt hat. Insbesondere im digitalen Bereich. Die einfachste und grundlegende Voraussetzung ist das politische System. Die kommunistische Partei hat verinnerlicht, dass der Wohlstand der Bevölkerung von einer kapitalistischen Kraft geprägt ist. Und dafür ist der wirtschaftliche und globale Erfolg die Voraussetzung. Sie haben es wie keine Nation je zuvor geschafft, diese beiden Gegenpole miteinander zu verbinden.

Die politische Führung gibt einen Weg vor, der von jedem in der Bevölkerung mitbeschritten wird. Die Vorgabe ist ehrgeizig und eindeutig: “Becoming the leading economy in the world “

The Bund Shangai
The Bund in Shanghai: Selbst die Hochhäuser sind digital

Persönlichkeitsrechte vs. Geschwindigkeit

Das bedeutet, allein die politischen Voraussetzungen führen dazu, dass China geordnet und gemeinsam zeitgleich in die gleiche Richtung läuft – im Gegensatz zu Europa. Hier nehmen politische Entscheidungen mehrere Jahre in Anspruch. Trotzdem soll diese Analyse nicht wertend sein, denn mit der erbarmungslosen Durchsetzungskraft bleibt sehr oft das individuelle Recht auf der Strecke – die größte Errungenschaft der westlichen Welt aus europäischer und demokratischer Sicht. Die deutlich schwerfälligere Entwicklung ist allerdings der Preis für unsere Persönlichkeitsrechte.

Das Ziel Chinas steht dabei auf diesen vier Säulen:

  • Die Realisierung der Potentiale der globalen Welt
  • Der Führungungsposition in der Informationstechnologie,
  • Die schnellstmögliche Modernisierung der Infrastruktur in wirtschaftlich starken Regionen (während unseres Besuchs wurde gerade die High-Speed-Zugverbindung zwischen Shenzen und Hong Kong eröffnet)
  • Die Internationalisierung der eigenen Industrie

Dadurch, dass auch die technologischen Unternehmen staatlich reguliert werden, wird so die Marktdurchdringung vor allem mit Alibaba und Tencent erreicht. Wettbewerber werden aus dem Markt gedrängt oder aufgekauft. Wie bspw. Uber, das durch den chinesischen Mitbewerber Didi für mehrere Milliarden aufgekauft wurde – manche sprechen zudem von zusätzlichem politischen Druck.

Das führt uns zu den Anwendungen, die diese Unternehmen auf den Markt bringen und die Möglichkeiten, die sich dadurch ergeben. Indem jedem User keine andere Wahl bleibt, als WeChat zu nutzen, liegen komplett andere Voraussetzungen als in Europa oder Amerika vor. Während wir verschiedene Plattformen und Apps nutzen, die auf unterschiedlichen Systemen basieren und unterschiedliche User Experiences beinhalten, existieren in WeChat alle vorstellbaren Funktionen, die auf jedes Business anwendbar sind. Selbst im B2B-Bereich ist WeChat eine weit verbreitete Anwendung. Kontakte, Kommunikation und Inhalte werden direkt miteinander verknüpft. Durch sogenannte Mini-Programs, die nicht separat heruntergeladen werden müssen, braucht der WeChat-User das Netzwerk nicht mehr zu verlassen. Sämtliche Funktionen und Anforderungen, vom Bezahlen, Suchen, Kommunizieren bis zum Bestellen, werden in WeChat integriert. Die App hat damit eine Art eigenes „Operating System“ geschaffen, in dem sich der User bewegt und die UX immer dieselbe bleibt.

Unsere These:
Die Plattformen Android und iOS werden sich in Richtung WeChat entwickeln, indem sie mehr Servies in das Betriebssystem integrieren. Nur so können sie noch mehr über den User lernen und ihn gleichzeitig im Operating System halten.

 

Digital Street Guys
Digital Street Life

Es soll allerdings nicht der Eindruck entstehen, dass Websites in China nicht sinnvoll wären. Gerade große Unternehmen sollten nicht auf eine chinesische Website verzichten. WeChat bietet jedoch nicht nur umfangreiche Funktionalitäten, sondern ist ausgezeichnete Möglichkeit für einen direkten Einstieg in den chinesischen Markt. WeChat kann für europäische Firmen daher als eine Art „MVP“ betrachtet werden.

Bei unserem Besuch der Social Media Agentur „Air Paris“ in Shanghai bekamen wir zudem Einblicke in die Content-Erstellung für Marken. Das Interessante dabei war, dass der Advertiser nur sehr wenige Daten über den Erfolg der Kampagne erhält und nur wenig Rückschlüsse ziehen kann. Auch A/B-Testing ist auf dem chinesischen Markt nahezu unmöglich. Und das, obwohl die Bedeutung von Daten eine wichtige Rolle in China spielt. Allerdings nur auf einer politischen Ebene.

Julian Moosbrugger in Hong Kong
Julian in the Streets of Hong Kong

Die zwei Seiten des wirtschaftlichen Fortschritts in China oder “Hallo 1984”

Die Daten einer Kampagne existieren nämlich. Nur stehen sie nicht dem Advertiser zur Verfügung, sondern nur der Regierung. Diese arbeitet an der Einführung eines Social Ranking-Systems, bei dem User für illegales oder kritisches Verhalten „abgestraft“ werden können. Das heißt: Tracking ist sehr wohl ein wichtiges Thema (ganz im Gegensatz zu Data Privacy). Und damit schließt sich auch der Kreis zum politischen System. Die Regierung gibt eine Richtung vor, alle machen mit und wer sich nicht daranhält, wird bestraft. Der digitale Fortschritt ist einerseits wirtschaftlicher Treiber und auf der Kehrseite der Medaille und ein mächtiges Kontroll-Instrument.

Am Ende lässt es sich einfach herunterbrechen: Das politische System fördert und fordert das wirtschaftliche Vorankommen der Volksrepublik, indem jeder Einzelne die Möglichkeit hat, erfolgreich zu sein. Und das funktioniert. China hat in der Welt die meisten Superreichen, die es aus eigener Kraft geschafft haben. Jeder kann das erreichen und da dies der politischen Agenda dient, kann es auch mit dem kommunistischen Grundgedanken verbunden werden.

Im täglichen Geschäft – vor allem in der digitalen Kommunikation – wird in China gar nicht so viel anders gemacht als bei uns. Es gibt Art Direktoren, die Visuals und Animationen entwickeln, Entwickler, die sich mit APIs und der Verknüpfung von Plattformen beschäftigen und Social Media Marketing Manager, die Kampagnen aufsetzen und, im Rahmen der Möglichkeiten, steuern.

Der einzig spürbare Unterschied, der uns beeindruckt hat und von dem wir uns gerne ein Stück abschneiden und für unseren Markt importieren würden, war die Eifrigkeit und Motivation mit der die Menschen an die Arbeit gehen. Wir konnten sehen, dass jeder die aktuelle Chance ergreift und etwas erreichen will. Das heißt neben den grundlegenden Rahmenbedingungen trägt jeder einzelne mit seiner persönlichen Einstellung zum Erfolg bei. Wir nannten es den „Hunger, etwas zu bewegen“. Und das obwohl es deutlich weniger soziale Absicherung gibt als bei uns.

TOWA in China
Julian und Manuel obenauf.

Zum Schluss möchten wir uns herzlich bei der Wirtschaftskammer Österreich, der jungen Wirtschaft Österreich für die Organisation der Reise und bei Brandigo bedanken, die uns viele interessante Einblicke in die Geschäftswelt Chinas gegeben haben. Wir waren fasziniert und empfehlen jedem, so eine Reise zu unternehmen, um den eigenen Horizont, das eigene Blickfeld zu erweitern.

Xièxie China.

TOWA Mitarbeiter Manuel Kuhn

Manuel Kuhn

Director Strategy

Der Spezialist gibt die strategische Richtung für grafische und inhaltliche Konzepte vor.
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