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Betrunken von zu vielen Informationen

Wie unsere Aufmerksamkeit unter der Digitalisierung leidet

Digitalisierung Aufmerksamkeit
WilhelmSchmid

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Wilhelm Schmid


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Je mehr Informationen auf uns einprasseln, desto unaufmerksamer sind wir. Was diese Erkenntnis mit Alkohol am Steuer zu tun hat und warum sie besonders in Zeiten der Digitalisierung von großer Bedeutung ist, erfährst du in diesem Blogbeitrag.

Ein kleines Gedankenexperiment gleich zu Beginn: stell dir vor, es ist Samstagnachmittag und du musst noch einen Einkauf fürs Wochenende erledigen. Du schreibst dir auf einem Einkaufszettel auf, was du noch brauchst:

  • Küchenrolle
  • Haarshampoo
  • Olivenöl
  • Sahne
  • Paprikapulver
  • Ein ganzes Huhn
  • Küchenschwämme
Supermarkt einkaufen

Nun stehst du im Supermarkt und kramst in deiner Hosentasche herum. Vergeblich, du hast den Einkaufszettel wohl zuhause vergessen! Du gehst weiter, kommst am Gemüse und am Obst vorbei, dann an der Fleischtheke. Du gehst weiter und siehst die Paprikachips und die Weinflaschen – was wolltest du nochmal alles einkaufen? Ein ganzes Huhn, Paprikapulver, Haarshampoo, Küchenschwämme…irgendwas war da noch, oder? Du denkst konzentriert nach und es fallen dir einige Dinge ein. Du bezahlst, gehst nach Hause und als du den Kühlschrank aufmachst, fällt es dir wieder ein – verdammt, die Sahne!

Ist es dir auch schon mal so ergangen? Kein Grund zur Sorge. Es liegt sicher nicht daran, dass du besonders vergesslich bist. VerhaltensforscherInnen und PsychologInnen gehen bereits seit Jahrzehnten der Frage nach, wie viele Dinge wir gleichzeitig in unserem Arbeitsgedächtnis speichern können. Die Zahlen bewegen sich dabei zwischen 3 und 7 Dingen, die wir uns gleichzeitig merken können. Neueste wissenschaftliche Erkenntnisse legen jedoch nahe, dass es eher zwischen 3 und 5 Dinge sind.

 

Kannst du dir mehr Details als die fünf Namen der Städte merken?

Zu viele Informationen machen uns betrunken

Unser Arbeitsgedächtnis hat also deutlich weniger Speicherkapazität als wir denken. Und das wirkt sich auch auf unsere Aufmerksamkeit aus. Je mehr Informationen wir gleichzeitig in unserem Kopf verarbeiten müssen, desto schwieriger wird es, uns auf etwas zu konzentrieren und unsere Aufmerksamkeit aufrechtzuerhalten.

Wir alle kennen dieses Problem vom bekannten Multitasking. Die Nudeln sind im Kochtopf und sollten nicht verkochen und im Radio läuft ein spannendes Interview. Gleichzeitig kommt jemand in die Küche und fragt dich, was du am Wochenende unternehmen möchtest. Versuche nun, allen Dingen die gleich große Aufmerksamkeit zu schenken. Dies ist fast ein Ding der Unmöglichkeit!

Was genau passiert, wenn wir zu viele Informationen gleichzeitig verarbeiten müssen, haben die Wissenschaftler Strayer et al. (2011) in einem Experiment mit einem Fahrsimulator getestet. In dem Experiment wurden die Fahrfähigkeiten von Teilnehmenden im Verkehr untersucht, wobei eine Gruppe während der Fahrt telefonierte und die andere nicht.

Telefonieren Autofahren

Die Ergebnisse: die Gruppe, die während der Fahrt telefonierte, übersah mit zehn Mal so hoher Wahrscheinlichkeit ein Stoppschild. Zudem war die Reaktionszeit der telefonierenden Gruppe genauso schlecht wie die von jenen AutofahrerInnen, die 0.8 Promille Alkohol im Blut hatten. Interessant war dabei, dass es keinen Unterschied machte, ob die Telefonierenden per Freisprecheinrichtung oder per Handy telefonierten. Die Aufmerksamkeit war in beiden Fällen deutlich niedriger. Sobald wir also mit zu vielen Informationen gleichzeitig beschäftigt sind, sinkt unsere Aufmerksamkeit drastisch.

Do not drink and drive and use your phone. Auf gar keinen Fall aber alles gleichzeitig!

Was bedeuten nun diese Erkenntnisse für das digitale Zeitalter?

Während wir früher regelrecht nach Informationen gedürstet haben und zwar fast so als würden wir vor einem undichten Wasserhahn auf jeden einzelnen Tropfen Information warten, so werden wir heute regelrecht mit Informationen überflutet. Mit den ständigen Informationen auf Computer- und Handybildschirmen ist es beinahe so, als würden die Informationen wie aus einem Feuerwehrschlauch auf uns zugeschossen kommen (Benartzi 2017). Diese Reizüberflutung bedeutet, dass es für uns immer schwieriger wird, aufmerksam zu sein und uns auf etwas zu fokussieren. Und zwar in der gleichen Art, wie es wahrscheinlich unmöglich ist, aus einem voll aufgedrehten Feuerwehrschlauch Wasser zu trinken.

Informationsüberflutung

Und nun kommt die schlechte Nachricht für alle Unternehmen und Organisationen, die die Aufmerksamkeit ihrer Kunden über digitale Kanäle gewinnen möchten: wissenschaftliche Untersuchungen legen nahe, dass wir auf digitalen Oberflächen, auf denen es nur so an Informationen wimmelt, noch unaufmerksamer sind!

Beispielsweise wurden in einem Experiment von Oppenheimer et al. (2009) die Teilnehmenden gebeten, die Anleitung für ein Experiment aufmerksam durchzulesen. Eine Gruppe erhielt die Anleitung auf Papier und eine andere Gruppe auf einem Computerbildschirm. In der Anleitung stand, dass die Frage auf der nächsten Seite nicht beantwortet werden durfte.

Was glaubst du wie viele der Teilnehmenden die Frage auf der nächsten Seite fälschlicherweise beantworteten? Von der Gruppe, die die Anleitung auf Papier gelesen hatte, beantworteten zwischen 14 % und 28 % der Teilnehmenden die Frage. Diese Prozentzahl war bei der Gruppe, die die Anleitung auf dem Computerbildschirm las, allerdings fast doppelt so hoch, nämlich 46 %! Auf dem Computerbildschirm waren die Teilnehmenden also deutlich unaufmerksamer.

Auf digitalen Oberflächen verlieren wir sehr schnell unsere Geduld

Auch wenn dieses Ergebnis auf den ersten Blick überraschend sein mag, so ist es doch einleuchtend, wenn wir an unser eigenes Verhalten auf digitalen Oberflächen denken. Wenn wir einen Artikel auf unserem Smartphone oder auf unserem Computer lesen, wie schnell scrollen wir dann nach unten und verlieren unsere Geduld, wenn uns der Inhalt nicht interessiert (hoffentlich nicht bei diesem)?

Das Data Analytics Unternehmen Chartbeat ist genau dieser Frage nachgegangen. Laut ihrer Analyse von über 2 Milliarden Seitenaufrufen im Internet verbringen knapp 55 % der Websiten-BesucherInnen weniger als 15 Sekunden auf einer Seite. Dieses Ergebnis legt nahe, dass wir sofort weiterklicken, sollte eine Seite nicht innerhalb von kürzester Zeit unsere Aufmerksamkeit gewinnen. Falls du es also bis an diese Stelle unseres Beitrags geschafft hast, gehörst du zu den restlichen 45 %, vielen Dank schon mal dafür!

Zum Abschluss soll es aber auch noch eine gute Nachricht geben: Die Aufmerksamkeit von Menschen kann auf digitalen Oberflächen aktiv gemanaget werden. Wie das genau funktioniert, darüber werden wir im nächsten Beitrag berichten.

Quellen:

Benartzi, Shlomo (2017). The smarter screen: Surprising ways to influence and improve online behavior. Penguin.

Cowan, N. (2010). The magical mystery four: How is working memory capacity limited, and why?. Current directions in psychological science, 19(1), 51-57.

Miller, G. A. (1956). The magical number seven, plus or minus two: Some limits on our capacity for processing information. Psychological review63(2), 81.

Oppenheimer, D. M., Meyvis, T., & Davidenko, N. (2009). Instructional manipulation checks: Detecting satisficing to increase statistical power. Journal of Experimental Social Psychology45(4), 867-872.

Strayer, D. L., Watson, J. M., & Drews, F. A. (2011). Cognitive distraction while multitasking in the automobile. In Psychology of Learning and Motivation (Vol. 54, pp. 29-58). Academic Press.

http://time.com/12933/what-you-think-you-know-about-the-web-is-wrong/

WilhelmSchmid

Wilhelm Schmid

Digital Strategist & Consultant

Schreib mir eine E-mail und ich melde mich gerne mit mehr (aber nicht zu vielen) Informationen bei dir.
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