Clubhouse – echtes Potential oder Social Dilemma?

Rebecca Hagspiel

Senior Digital Marketing Managerin

Die Beiträge und Infos zur neuen Trend-App überschlagen sich – kaum einer, der noch nichts davon gehört hat oder mindestens neugierig geworden ist. Ja, es geht um Clubhouse, dem neuesten Trend im Marketing. Die Audio-Only-App, die seit Kurzem auch im deutschsprachigen Raum durch die Decke geht.
Doch was genau hat es mit der App auf sich? Was macht sie aus? Wie kann man den aktuellen Hype für sich selbst bzw. für Unternehmen nutzen?
Clubhouse Insights

Clubhouse ist vergleichbar mit einem Live-Podcast-Feature. Täglich entstehen unzählige neue Rooms (hier findet der direkte Austausch statt) in denen unterschiedlichste Themen besprochen werden. Die Inhalte sind weit gefächert und reichen von branchenspezifischen wie upcoming Digital Marketing Trends, Social Media Strategien bis hin zu Late Nightoder Crypto-Talks.

Der große Unterschied zu Podcasts: die Zuhörer*innen können live mit den Moderatoren*innen mitdiskutieren und werden so selbst zu Protagonisten im Talk.

Aber auch das Gegenteil kann der Fall sein. Einige Speaker*innen und Moderator*innen stellen sich dabei viel besser dar, als sie eigentlich sind. Nicht alles ist Gold was glänzt. So werden aktuell viele ihre Follower mit der im Profil stehenden Description geblendet. Viele geben sich als CEO aus oder kündigen neue Online-Marketing Featureas an, die noch gar nicht oder schon lange existieren. Klare, brauchbaren Mehrwert gehen so leider flöten. Kleiner Tipp: Wer sich die Speaker im Vorhinein genauer anschaut und sie via Google ein wenig stalkt, der weiß meist, was ihn beim Clubhouse-Talk erwartet.

Mehrwerte für Unternehmen oder doch nur für Personal Brands?

Derzeit tummeln sich viele Coaches, Redakteure, Berater und Fachleute in den Räumen und man kann tatsächlich viel Wissen mitnehmen. So ist es natürlich auch möglich, sich selbst zu positionieren und die eigene Brand in den Mittelpunkt zu stellen; genauso wie die Kompetenzen eines oder des eigenen Unternehmens.

Wer nicht auf den Mund gefallen ist und es schafft, das eigene Know-How verständlich zu vermitteln, kann von Clubhouse durchaus spürbar profitieren. Unternehmen eröffnen mit ihren Mitarbeitern Räume oder beraumen ganze Meetings in Clubhouse an. Ist das Thema gut gewählt, sind die Speaker gut vernetzt und für die User spannend, können die Teilnehmerzahlen schnell stark ansteigen.

Zukunftsträchtig oder bloß ein Hype?

Ob Clubhouse langfristig Potential hat ist fraglich. Die Plattform erlebt in der DACH Region gerade ein Hoch, das maßgeblich von den Einschränkungen der Lockdowns resultiert.

Die User sind dankbar, sich auf einer qualitativ hochwertigen Ebene über ihre Spezialgebiete auszutauschen – ob in Podiumsdiskussionen oder anderen Get-Togethers. Und das auf einer neuen Plattform.

Zwar bietet die App unterschiedliche Möglichkeiten zum Austausch – sowohl in offenen (für alle frei zugänglich) als auch in geschlossenen Räumen (private Räume, um sich mit Freunden o.ä. auszutauschen) – aber man sollte sich bewusst sein, dass nicht alles Gesagte den Fakten entspricht, sondern auf einer subjektiven Einschätzungen beruht. Hier ist jeder Experte!

Zudem ist Zeit bekanntlich Geld. Und Clubhouse beansprucht viel davon. Denn für die Live-Diskussionen muss man sich, im Gegensatz zu andern Sozialen Medienaktiv, Zeit nehmen. Alles ist live, nichts wird aufgezeichnet oder für den nachträglichen Konsum gespeichert. Und: man verpasst mehr, da man nur einem Talk folgen kann. Stichwort: Fear of missing out (kurz FOMO).

Alles ernstzunehmende Gründe, aufgrund derer sich viele User langfristig wieder abwenden könnten.

Exklusivität

Wie kann ich die App nutzen? Wie bereits bekannt, erfolgt die Anmeldung für die App ausschließlich via Invites. Also nur wer eingeladen wird, kann die App verwenden. Jedes neue Member bekommt anfangs zwei Invites, um selbst Freunde oder Arbeitskollegen einzuladen.

Ein kleines Schlupfloch gibt es jedoch: Wer sich per Registrierung für eine Aufnahme im Clubhouse mit Telefonnummer bewirbt sorgt dafür, dass alle Kontakte innerhalb der Community eine Mitteilung erhalten, ein Invite zu versenden.

Einziger Wermutstropfen: Noch ist Clubhouse exklusiv auf iOS-Geräten verfügbar. Alle anderen Anwender müssen sich leider noch für unbestimmte Zeit gedulden. Mit diesem Move wurden mit Sicherheit schon viele Sympathiepunkte verspielt, ohne dass die Anwender von Google, Samsung Co. die App überhaupt runtergeladen haben. Wir jedenfalls sind gespannt, wohin die Reise geht und wie sich die App in Zukunft hinsichtlich Features, Zielgruppen und Funktionen weiterentwickelt.